Dortmund: Umkämpfter Ruhrgebiets-Markt mit Warteliste beim Taxi
Dortmund ist eine der größten Städte Nordrhein-Westfalens und das Zentrum des östlichen Ruhrgebiets. Für Gründer ist der Markt 2026 zweigeteilt: Auf der klassischen Taxi-Seite herrscht ein enges Regime mit Warteliste, auf der Mietwagen-Seite ein dynamisch wachsender Plattform-Markt.
Die Zahlen der Stadt Dortmund zeigen die Verschiebung deutlich. Die Zahl der Taxiunternehmen ist seit 2014 um rund 23 Prozent gesunken. Im selben Zeitraum – und besonders seit dem Markteintritt der App-Plattformen – ist die Zahl der Dortmunder Mietwagenunternehmen um etwa 72 Prozent gestiegen. Wer heute in Dortmund einsteigen will, muss diese Marktrealität kennen, bevor er sich zwischen Taxi und Mietwagen entscheidet.
Drei Punkte, die Dortmund von anderen NRW-Städten unterscheiden:
- Aktive Warteliste beim Taxi: Die Stadt vergibt aktuell keine neuen Taxikonzessionen ohne Wartelisten-Eintrag – der Zugang läuft über das Formular „Antrag Warteliste".
- Kommunale Preis-Regulierung gegen Plattformen: Seit dem 01.09.2026 gelten in Dortmund per Allgemeinverfügung Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen: Sie orientieren sich am Taxitarif und dürfen ihn um höchstens 15 Prozent unterschreiten.
- Uber und Bolt fest etabliert: Beide Plattformen vermitteln in Dortmund an lizenzierte Mietwagenunternehmen – der Mietwagen-Einstieg ist hier schneller und realistischer als der Taxi-Weg.
Expert-Statement · Bildungszentrum Verkehr
Dortmund ist 2026 ein Lehrbeispiel für die Marktverschiebung im Ruhrgebiet. Wer schnell fahren will, geht über die Mietwagenkonzession und die Plattform-Vermittlung. Wer langfristig einen klassischen Taxibetrieb mit Standplätzen und Krankenfahrten aufbauen will, muss die Warteliste ernst nehmen und sich früh eintragen. Beide Wege setzen dieselbe IHK-Unternehmerfachkunde nach § 13 PBefG voraus – die Qualifikation ist identisch, nur der Genehmigungsweg unterscheidet sich.
Zuständige Behörden in Dortmund
Die Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) erteilt in Dortmund das Tiefbauamt der Stadt Dortmund (Straßenverkehrsbehörde, Gewerblicher Personenverkehr), Königswall 14, 44137 Dortmund (Telefon 0231 50-22343, Sprechzeiten Mo, Di, Do und Fr 9–12 Uhr). Anschrift und Kontaktdaten finden Sie im Servicebereich „Gewerblicher Personenverkehr" auf dortmund.de.
| Behörde | Aufgabe | Anschrift / Hinweis |
|---|---|---|
| Stadt Dortmund, Tiefbauamt – Straßenverkehrsbehörde – Gewerblicher Personenverkehr | Erteilung Taxi- und Mietwagenkonzession, Warteliste | Königswall 14, 44137 Dortmund; Tel. 0231 50-22343 |
| IHK zu Dortmund | Unternehmerfachkunde Taxi und Mietwagen (§ 13 PBefG) | Märkische Straße 120, 44141 Dortmund |
| Stadt Dortmund, Fahrerlaubnisbehörde (Führerscheinstelle) | Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung (P-Schein) | Standort über dortmund.de |
| Eichbehörde (Eichamt) | Eichung des Taxameters | über die Eichbehörde |
| Prüforganisation (z. B. TÜV NORD, DEKRA) | Hauptuntersuchung | mehrere Standorte |
Wie Sie Unterlagen einreichen und Termine vereinbaren, beschreibt die Stadt ebenfalls auf dortmund.de. Die maßgeblichen Antragsformulare, die aktuelle Tarifordnung und das Wartelisten-Formular finden Sie im Servicebereich „Gewerblicher Personenverkehr" auf dortmund.de.
Warteliste und Bedürfnisprüfung 2026
Für den Taxenverkehr besteht in Dortmund eine Warteliste – eine unmittelbare Zuteilung neuer Konzessionen erfolgt derzeit nicht. Das ist die praktische Ausprägung der Bedürfnisprüfung nach § 13 Abs. 4 PBefG: Die Genehmigung ist zu versagen, wenn das örtliche Taxengewerbe durch weitere Taxen in seiner Funktionsfähigkeit bedroht wäre.
| Antragsszene | Realistischer Weg |
|---|---|
| Erste Taxikonzession (Neuvergabe) | Eintrag über „Antrag Warteliste", Wartezeit bei der Behörde erfragen |
| Übertragung zusammen mit dem Unternehmen (§ 2 Abs. 3 PBefG) | nur mit dem ganzen Unternehmen oder einem wesentlichen Teil, genehmigungspflichtig |
| Mietwagenkonzession (§ 49 PBefG) | keine Bedürfnisprüfung, Bearbeitung deutlich zügiger |
| Konzessions-Erweiterung (weiteres Taxi) | ebenfalls über Warteliste bzw. Bedürfnisprüfung |
Laut Ratsbeschluss dürfen in Dortmund höchstens 580 Taxikonzessionen aktiv sein; gibt ein Unternehmen seine Genehmigung zurück, erhält sie der Nächste auf der Warteliste. Wer auf der Liste steht, muss sein Interesse jedes Jahr schriftlich erneuern. Die Wartezeit ist nach Angabe der Stadt nicht vorhersehbar. Zwei Konsequenzen für Ihre Planung: Erstens führt der Taxi-Weg über die Warteliste — oder über die genehmigungspflichtige Übernahme eines ganzen Taxiunternehmens. Zweitens ist die Mietwagenkonzession die realistische Alternative, wenn Sie kurzfristig starten wollen – dazu unten mehr.
Antragsprozess Schritt für Schritt
1. Qualifikation aufbauen
- P-Schein (Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung) über die Dortmunder Führerscheinstelle: ärztliches Gutachten und Sehtest einplanen, Bearbeitung typischerweise einige Wochen.
- IHK-Unternehmerfachkunde Taxi und Mietwagen bei der IHK an Ihrem Wohnsitz (in Dortmund: IHK zu Dortmund): Vorbereitungskurs plus Prüfung. Diese Fachkunde nach § 13 PBefG ist für jede Konzession Pflicht – Taxi wie Mietwagen (Fachkunde Taxi und Mietwagen).
- Ortskunde: Seit dem 2. August 2021 gibt es bundesweit – und damit auch in Dortmund – keine verpflichtende Ortskundeprüfung mehr für Taxifahrer. An ihre Stelle trat der Fachkundenachweis für Fahrer (§ 48 Abs. 4 Nr. 7 FeV): Er ist bundesrechtlich vorgeschrieben, wird aber derzeit nicht verlangt, weil Inhalte und Prüfstellen noch nicht festgelegt sind. Unabhängig davon muss jedes Taxi ein Navigationsgerät nach dem Stand der Technik haben (§ 28a BOKraft) (Ortskundeprüfung Taxi – was heute gilt).
2. Finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen
Nach § 2 PBZugV müssen Sie Eigenkapital bzw. Reserven nachweisen: 2.250 EUR für das erste Fahrzeug und 1.250 EUR für jedes weitere Fahrzeug. Nachweis durch eine Eigenkapitalbescheinigung oder eine bestätigte Vermögensübersicht (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigter Buchprüfer oder Kreditinstitut); der Stichtag darf höchstens ein Jahr vor Antragstellung liegen.
3. Wartelisten-Eintrag stellen
Da für Taxikonzessionen eine Warteliste besteht, reichen Sie zunächst das Formular „Antrag Warteliste" bei der Genehmigungsbehörde ein. Erst wenn eine Konzession frei wird oder neu vergeben werden kann, folgt der eigentliche Genehmigungsantrag.
4. Antragsunterlagen zusammenstellen
- Antragsformular (Download über dortmund.de)
- Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde (Belegart O)
- Auszug aus dem Gewerbezentralregister
- IHK-Fachkundebescheinigung
- P-Schein-Nachweis
- Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit
- Fahrzeugnachweis bzw. Vorvertrag
- Nachweis der Zuverlässigkeit (steuerliche Unbedenklichkeit, Sozialversicherung)
5. Zuverlässigkeit
Die Behörde prüft die persönliche Zuverlässigkeit: keine einschlägigen Vorstrafen, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse, keine erheblichen Steuer- oder Sozialversicherungsrückstände.
6. Erteilung und Fahrzeugzulassung
Nach positiver Prüfung erhalten Neubewerber die Konzession zunächst für zwei Jahre, in dieser Zeit nicht übertragbar (§ 13 Abs. 5 PBefG); danach sind bis zu fünf Jahre möglich. Das Fahrzeug benötigt geeichtes Taxameter, Dachzeichen, Navigationsgerät und die übrige vorgeschriebene Ausstattung. Die konkrete Farbvorgabe klären Sie mit der Genehmigungsbehörde.
Voraussetzungen im Überblick
| Voraussetzung | Anforderung |
|---|---|
| Zuverlässigkeit | keine einschlägigen Vorstrafen, geordnete Finanzen |
| Finanzielle Leistungsfähigkeit (§ 2 PBZugV) | 2.250 EUR erstes, 1.250 EUR je weiteres Fahrzeug |
| Fachliche Eignung (§ 13 PBefG) | IHK-Unternehmerfachkunde Taxi und Mietwagen |
| Fahrerqualifikation | P-Schein (Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung) |
| Ortskunde | entfallen – ersetzt durch den Fachkundenachweis für Fahrer (§ 48 Abs. 4 Nr. 7 FeV), derzeit nicht verlangt |
| Fahrzeug | geeichtes Taxameter, Dachzeichen, Navigationsgerät, HU/Ausstattung |
Der Unterschied zwischen dem P-Schein für Fahrer und der Unternehmerfachkunde für Konzessionsinhaber sorgt regelmäßig für Verwechslungen – der Detailvergleich hilft: P-Schein und Fachkunde – der Unterschied.
Dortmunder Taxitarif 2026
Der Taxitarif ist in Dortmund kommunal per Rechtsverordnung geregelt (§ 51 Abs. 1 PBefG). Zum 01.09.2026 hat die Stadt den Taxitarif erstmals seit 2022 angepasst. Die geltenden Werte für Grundpreis, Kilometerpreise und Wartezeit entnehmen Sie der Tarifordnung im Servicebereich „Gewerblicher Personenverkehr" auf dortmund.de.
Wichtig für die Kalkulation: Taxi-Umsätze im Nahverkehr unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent. Der Tarif darf nicht unterschritten werden; Festpreise für bestellte Fahrten sind nur innerhalb des in der Tarifordnung festgelegten Tarifkorridors zulässig.
Mietwagen als schnellere Alternative
Wer den Wartelisten-Umweg beim Taxi umgehen will, wählt in Dortmund die Mietwagenkonzession nach § 49 PBefG. Sie kennt keine Bedürfnisprüfung und wird bei erfüllten Voraussetzungen deutlich zügiger erteilt. Genau das erklärt das Marktwachstum, das die Stadt mit rund 72 Prozent mehr Mietwagenunternehmen beziffert.
| Kriterium | Taxi Dortmund | Mietwagen Dortmund |
|---|---|---|
| Bedürfnisprüfung / Warteliste | ja (aktive Warteliste) | nein |
| Preisbindung | kommunaler Tarif | Mindestentgelt seit 01.09.2026 (höchstens 15 % unter dem Taxitarif) |
| Umsatzsteuer | 7 Prozent (Nahverkehr) | 19 Prozent |
| Standplätze / Winken | erlaubt | nicht erlaubt, Rückkehrpflicht |
| Plattformen (Uber, Bolt) | ergänzend | Kerngeschäft |
| Einstiegstempo | langsam | schnell |
Zu beachten: Seit dem 01.09.2026 gelten in Dortmund kommunale Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen (höchstens 15 Prozent unter dem Taxitarif) – berücksichtigen Sie sie, bevor Sie Ihr Preismodell festlegen. Die Details zum Genehmigungsweg finden Sie im Schwesterartikel Mietwagenkonzession Dortmund.
Häufige Fragen – Taxikonzession Dortmund
Bekomme ich in Dortmund überhaupt eine neue Taxikonzession?
Aktuell nicht ohne Weiteres: Die Stadt führt für den Taxenverkehr eine Warteliste, eine sofortige Neuvergabe erfolgt derzeit nicht. Sie tragen sich über das Formular „Antrag Warteliste" beim Tiefbauamt (Straßenverkehrsbehörde, Gewerblicher Personenverkehr) ein. Schneller ist der Einstieg über eine Mietwagenkonzession; eine bestehende Taxikonzession lässt sich nur zusammen mit dem Unternehmen und mit Genehmigung übernehmen (§ 2 Abs. 3 PBefG).
Gibt es in Dortmund noch eine Ortskundeprüfung?
Nein. Seit dem 2. August 2021 gibt es bundesweit – und damit auch in Dortmund – keine verpflichtende Ortskundeprüfung mehr für Taxifahrer. An ihre Stelle trat der Fachkundenachweis für Fahrer (§ 48 Abs. 4 Nr. 7 FeV): Er ist bundesrechtlich vorgeschrieben, wird aber derzeit nicht verlangt, weil Inhalte und Prüfstellen noch nicht festgelegt sind. Die Pflicht zu einem Navigationsgerät nach dem Stand der Technik (§ 28a BOKraft) betrifft unabhängig davon das Taxi selbst.
Wie viel Eigenkapital muss ich nachweisen?
Nach § 2 PBZugV sind es 2.250 EUR für das erste Fahrzeug und 1.250 EUR für jedes weitere Fahrzeug. Nachweis durch eine Eigenkapitalbescheinigung oder eine bestätigte Vermögensübersicht (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigter Buchprüfer oder Kreditinstitut); der Stichtag darf höchstens ein Jahr vor Antragstellung liegen.
Was ändert sich 2026 für Uber und Bolt in Dortmund?
Seit dem 01.09.2026 gelten in Dortmund per Allgemeinverfügung Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen; sie dürfen den Taxitarif um höchstens 15 Prozent unterschreiten. Nach den Planungen der Stadt sollten unter anderem Krankenfahrten mit entsprechender Vereinbarung sowie mindestens eine Stunde im Voraus beim Unternehmen bestellte Fahrten ausgenommen sein; maßgeblich ist die auf dortmund.de veröffentlichte Fassung.
Taxi oder Mietwagen – womit sollte ich in Dortmund starten?
Wenn Sie schnell und plattformnah (Uber, Bolt) einsteigen wollen, ist die Mietwagenkonzession der pragmatische Weg – ohne Warteliste, dafür mit 19 Prozent Umsatzsteuer und ohne Standplatzrecht. Wollen Sie einen klassischen Taxibetrieb mit Standplätzen und dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent, führt der Weg über die Warteliste oder die genehmigungspflichtige Übernahme eines Taxiunternehmens.
Wo finde ich die offiziellen Antragsformulare und den Tarif?
Im Servicebereich „Gewerblicher Personenverkehr" auf dortmund.de. Dort liegen Antragsformular, Wartelisten-Formular und die gültige Taxitarifordnung. Für die Fachkundeprüfung ist die IHK zu Dortmund zuständig.
Nächste Schritte für den Dortmunder Markt
- Weg festlegen – Taxi mit Warteliste oder Mietwagen mit Sofortstart. Diese Entscheidung bestimmt Tempo, Steuersatz und Geschäftsmodell.
- IHK-Unternehmerfachkunde sichern – sie ist für beide Wege Pflicht. Ein strukturierter Vorbereitungskurs verkürzt den Weg zur Dortmunder IHK-Prüfung erheblich.
- Markt und Förderfähigkeit prüfen – im umkämpften Ruhrgebiets-Markt entscheidet die saubere Kalkulation. Wir rechnen Ihr Modell durch, bevor Sie den Antrag stellen.
Vergleichen Sie auch: Taxikonzession Köln als größten NRW-Markt und die Grundlagen unter Taxikonzession beantragen – Komplettleitfaden. Für den schnellen Einstieg: Mietwagenkonzession Dortmund.
Sie wollen in Dortmund gründen?
Das Bildungszentrum Verkehr begleitet Sie mit Ruhrgebiets-Know-how: Konzessionsstrategie zwischen Warteliste und Mietwagen, IHK-Fachkunde und tragfähige Preiskalkulation im Uber-Wettbewerb.
Quellen
- Personenbeförderungsgesetz (PBefG) — Bundesministerium der Justiz
- Berufszugangsverordnung für den Straßenpersonenverkehr (PBZugV) — Bundesministerium der Justiz
- Umsatzsteuergesetz (UStG) — Bundesministerium der Justiz
- Gewerblicher Personenverkehr – Taxi — Stadt Dortmund
- Mindestentgelte für Mietwagenunternehmen gelten ab 1. September — Stadt Dortmund
